Claire Winter, Die geliehene Schuld
Claire Winter, Die geliehene Schuld
Kurzfassung:
Der Roman spielt in der unmittelbaren Nachkriegszeit noch bevor die Bundesrepublik gegründet wurde.
Die Journalistin Vera Lessing hat ihren Mann und ihre Eltern verloren und möchte ihre eigenen traumatischen Erlebnisse vergessen. Doch als im Sommer 1949 ihr Kindheitsfreund und Kollege Jonathan Jacobsen unter mysteriösen Umständen bei einem Unfall stirbt und ihr seine letzten Recherchen in die Hände fallen, fühlt sie sich verpflichtet, seine Arbeit weiterzuführen. Er hat über ehemalige Kriegsverbrecher recherchiert und Spuren bis zu einem Gefangenenlager in Italien verfolgt. Er stand auch mit einer Marie Weißenburg in Kontakt und Vera versucht, diese Frau zu finden. Allerdings ahnt sie nichts von der Brisanz der Nachforschungen in Bezug auf die höchsten Kreise von Besatzungsmächten und Kirche und dass der Geheimdienst ein Interesse daran hat, alles unter der Decke zu halten. Vera gerät in höchste Gefahr …
Der Haupthandlungsstrang betrifft die Journalistin, aber je nach Fortschritt der Ermittlungen kommen auch die anderen Beteiligten zu Wort und Perspektive wie auch Zeit wechseln. Als Leser weiß man aber immer, wo man sich gerade befindet, es ist nichts verwirrend verschachtelt, sondern ausgezeichnet verknüpft.
Es geht um ein dunkles Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte. Ehemaligen Nazigrößen und Kriegsverbrechern gelang die Flucht nach Italien über die „Rattenlinien“ mit Hilfe von höchsten Stellen. Selbst die Alliierten und die katholische Kirche unterstützten dies stillschweigend. Um der strafrechtlichen Verfolgung zu entgehen, verschwanden diese Flüchtigen dann entweder nach Südamerika oder sie tauchten mit gefälschten Papieren, die unter anderem auch vom Roten Kreuz ausgestellt wurden, und unbelasteter Identität wieder in Deutschland auf. Es ist bekannt, dass viele der Leute, die während der Nazi-Herrschaft das Ruder in der Hand hatten, auch nach dem Krieg wieder in verantwortungsvolle Posten gelangt sind. Sogar Adenauer hatte wenig Bedenken, als er eine Regierung bildete. Z.B. wurde Hitlers Geheimdienstchef Gehlen sogar Präsident des Bundesnachrichtendienstes .
Wer sich für Geschichte interessiert, dem sind die Fakten bekannt und doch macht es betroffen und wütend, wenn man dieses Buch liest und einem bewusst wird, wie leicht die Schuldigen davongekommen sind.
Es gibt auch noch einen anderen Aspekt in dem Buch: Marie Weißenburg muss erkennen, was die tatsächliche Stellung ihres geliebten Vaters im Gefüge des Naziregimes und der Kriegsmaschinerie war. Ihre Fragen, das erste Begreifen, die Fassungslosigkeit und auch ihre Enttäuschung sind ausgezeichnet dargestellt.
Außerdem wird die Situation der Bevölkerung gleich nach dem Krieg deutlich: Die immer noch latente Judenfeindlichkeit, die schützende Haltung der Familie trotz des Wissens über die Ungeheuerlichkeiten, die geschehen sind, aber auch die Kraft der Menschen damals, wieder von vorne anzufangen.
Ein exzellent recherchiertes Buch, das viel Wissen vermittelt, ohne belehrend zu wirken. Spannend und aufschlussreich, hinterlässt es verständlicherweise einen bitteren Beigeschmack.
Klingt fesselnd und interessant. Nur hab ich einfach ein Problem mit Büchern aus Kriegszeiten. Ich hab schon als Kind von meinen Eltern soviel grauenhaftes gehört und was da ablief, auch Grauen das sie selbst erlebten. Das hat wahrscheinlich meine Aufnahmekraft zu diesem Thema überlastet. ![]()
Aber das Buch ist bestimmt spannend. ![]()
Klar, Rika, kann ich verstehen.
Dieses Buch legt das Hauptaugenmerk auf die Nachkriegszeit unter der Besatzung und was da hinter den Kulissen für Schiebereien im Gange waren, ohne dass die Bevölkerung das mitbekam. Es ist ein Buch, das das Geschichtswissen aus dieser Zeit geraderückt.
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