Henry Vahl und Heidi Kabel: Ohnsorg-Theater

26.10.2017 14:46
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#1 Henry Vahl und Heidi Kabel: Ohnsorg-Theater
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Henry Vahl und Heidi Kabel: Ohnsorg-Theater

Henry Vahl (* 26. Oktober 1897 in Stralsund; † 21. Juli 1977 in Hamburg) war ein deutscher Schauspieler. Nach einer mehr als vierzigjährigen Karriere, die ihn auf zahlreiche, insbesondere norddeutsche Bühnen führte, gelangte er in den 1950er Jahren ans Ohnsorg-Theater in Hamburg, wo er zum beliebten Volksschauspieler wurde, der in komischen Rollen vor allem kauzige, ältere Typen spielte. Durch die Fernsehübertragungen des Theaters erlangte er bundesweiten Ruhm und avancierte zum beliebten „Fernseh-Opa“.

Henry Vahl wurde 1897 in Stralsund als ältestes von vier Kindern des Seemanns Franz Vahl geboren; sein Bruder war der Schauspieler Bruno Vahl-Berg, seine Schwester Lissy die Mutter des Schauspielers Edgar Bessen. Bereits als Kind stand Henry Vahl in seiner Geburtsstadt in mehreren Rollen auf der Bühne. Nachdem der Fischkutter seines Vaters, der sich 1901 als Fischer selbständig gemacht hatte, 1905 durch eine Sturmflut zerstört worden war, zog die Familie 1906 nach Kiel. Henry Vahl arbeitete nach einer abgebrochenen Druckerlehre in einer Molkerei und als Liftboy im Hansa-Hotel, wo der Direktor des Kieler Stadttheaters, Karl Alving, 1914 auf ihn aufmerksam wurde und ihm erste Engagements verschaffte. 1916 spielte Vahl seine erste Hauptrolle im Stück Peterchens Mondfahrt; seit 1915 arbeitete er auch bei der Howaldtswerft, um den Kriegsdienst zu vermeiden.

1918 ging Vahl nach Lübeck zum Hansa-Theater. Dort lernte er Germaine Koch kennen, mit der er sich verlobte und 1920 nach Braunschweig umzog, wo das Paar am 31. Januar 1925 heiratete. Im Herbst 1926 wechselte Vahl als Schauspieler und Regisseur nach Bernburg an der Saale, jedoch wurde das Theater bereits 1929 in der Wirtschaftskrise geschlossen, woraufhin er nach Berlin zog und nach kleineren Rollen bei Max Reinhardt und Auftritten als Filmkomparse am Deutschen Theater unter Reinhardts Nachfolger Heinz Hilpert engagiert wurde. 1940 erhielt er zusammen mit seiner Frau ein Engagement in Karlsbad, wo er im November 1941 sein 25-jähriges Bühnenjubiläum beging. Doch im selben Monat wurde Germaine Vahl die Arbeitserlaubnis entzogen, da sie als sogenannte Halbjüdin galt. Sie tauchte unter und versteckte sich bis zum Kriegsende in einer Gartenlaube bei Ratzeburg. Henry Vahl kannte ihren Aufenthaltsort nicht, stand aber über ihre Mutter mit ihr in Kontakt. Im Verhör bei der Geheimen Staatspolizei gab er an, sie sei vermisst. 1943 wurde er zum Wehrdienst eingezogen und trat bei der Truppenbetreuung an der Ostfront auf. Nach dem Krieg zog er, wieder mit seiner Frau vereint, nach Berlin.

1950 gingen die Vahls nach Hamburg, wo Henry Vahl im Flora-Theater und im Theater im Zimmer von Helmuth Gmelin auftrat, außerdem in Friedrich Schütters Jungem Theater (dem heutigen Ernst-Deutsch-Theater), wo er den alten Landarbeiter Candy in einer Bühnenbearbeitung des Romans Von Mäusen und Menschen gab. Im März 1958 sollte am Ohnsorg-Theater das Stück „Meister Anecker“ von August Lähn unter der Regie von Walter Scherau mit Jochen Schenck in der Titelrolle und Otto Lüthje in der Rolle des Schustergesellen Matten aufgeführt werden, als Lüthje kurz vor der Premiere erkrankte. Das Theater engagierte Vahl als Ersatz, und er blieb dauerhaft. In den folgenden Jahren trat er in mehr als 100 Rollen am Ohnsorg-Theater auf, oftmals zusammen mit Heidi Kabel. Besonders bedeutsam waren die Titelrollen in „Schneider Nörig“ und „Vater Philipp“, Ewald Brummer in „Tratsch im Treppenhaus“ und Mandus Sötje in „Mien Mann, de fohrt to See“.

Die Rolle des alten, schrulligen und stark dem Alkohol zuneigenden Matten wurde allerdings seine Paraderolle. Besonders die Fernsehübertragung der erneuten Inszenierung unter der Regie von Hans Mahler am 13. November 1965 wurde ein großer Erfolg. Nach der Erinnerung von Heidi Kabel wurde das Ohnsorg-Theater nach der Ausstrahlung mit Anrufen, Glückwunschtelegrammen und Blumensendungen überhäuft. Durch die Fernsehübertragungen von Theateraufführungen im NDR sowie durch viele Gastspiele wurde Henry Vahl auch bundesweit sehr populär und zu einem Publikumsliebling. So wurde ihm 1967 die Auszeichnung „Bronzener Bildschirm“ verliehen. Von 1962 bis in die 1970er Jahre hinein trat er häufig in der beliebten NDR-Unterhaltungsshow Haifischbar auf. Einen großen Erfolg hatte Henry Vahl im Fernsehen mit dem zweiteiligen TV-Kriminalfilm „Die rote Geldbörse“ (1966), in dem er eine Hauptrolle spielte.

1972 verließ Vahl das Ohnsorg-Theater. Offiziell ging er aus Altersgründen, aber inoffiziell soll ein Zerwürfnis mit dem Intendanten Günther Siegmund der Grund gewesen sein, der die Nachfolge des 1970 verstorbenen Hans Mahler angetreten hatte und das Ensemble verjüngen und Henry Vahl nach der Spielzeit 1969/1970 nicht weiter besetzen wollte. Mahler soll Vahl versprochen haben, den „Meister Anecker“ noch einmal zu inszenieren und ihm damit zu ermöglichen, sich in seiner Paraderolle von der Bühne zu verabschieden, doch Siegmund fühlte sich daran nicht gebunden.

Obwohl Henry Vahl sich seine Texte inzwischen immer schlechter merken konnte, begann er 1973 am St. Pauli Theater von Kurt Collien aufzutreten, wo er noch 43 Mal im „Meister Anecker“ und ab 1974 noch 168 Mal als „Zitronenjette“ auf der Bühne stand (ein Hamburger Original, eigentlich eine Frau, die auf der Bühne aber traditionell von Männern gespielt wird). 1975 starb seine Frau, im Februar 1976 erlitt er einen Schlaganfall, von dem er sich nicht mehr erholte.

In seinem Buch Der Aufmacher berichtete Günter Wallraff darüber, dass in den Monaten vor Vahls Tod das Schicksal des zunehmend hinfällig werdenden Schauspielers in einer zweistelligen Anzahl von „Bild“-Zeitungsartikeln vermarktet wurde. In der Hamburger Zentralredaktion von „Bild“ soll es während dieser Zeit eine bewegliche Fotomontage von Vahl mit einem heb- und senkbaren Sargdeckel gegeben haben.

Henry Vahl starb am 21. Juli 1977 im Alter von 79 Jahren in Hamburg an Kreislaufversagen.Sein Grab (Nr. AD5/158-159) befindet sich neben dem seines Bruders Bruno Vahl-Berg auf dem Friedhof Ohlsdorf.
https://de.wikipedia.org/wiki/Henry_Vahl

Heidi Bertha Auguste Kabel, verheiratete Mahler (* 27. August 1914 in Hamburg; † 15. Juni 2010 ebenda), war eine deutsche Volksschauspielerin, Hörspielsprecherin und Sängerin.

Kabel wurde im Haus Große Bleichen Nr. 30 in Hamburg, direkt gegenüber dem ehemaligen Sitz des späteren Ohnsorg-Theaters geboren. Ihr Vater Ernst Kabel war Druckereibesitzer und zeitweilig Vorsitzender des Vereins geborener Hamburger e. V. Sein Betrieb „Kabel Druck“ existiert bis heute, sein Kabel-Verlag ebenfalls. Ihre Mutter Agnes († 1956) war Hausfrau. Eigentlich sollte Kabel Konzertpianistin werden, hatte aber nicht genug Talent. 1932 begleitete sie eine Freundin zum Vorsprechen in der „Niederdeutschen Bühne Hamburg“, dem heutigen Ohnsorg-Theater, einem Theater, das Stücke in plattdeutscher Sprache aufführt. Dabei wurde sie entdeckt und erhielt von Theatergründer Richard Ohnsorg ihr erstes Engagement in dem Stück „Ralves Carstens“. Sie nahm Schauspielunterricht bei den Ohnsorg-Schauspielern Käte Alving und Hans Langmaack und blieb über 66 Jahre auf der Bühne. Ihre Schauspielkarriere umfasst insgesamt 75 Jahre.

1937 heiratete sie ihren Kollegen Hans Mahler. Der Ehe entstammen drei Kinder; Tochter Heidi Mahler wurde ebenfalls Schauspielerin am Ohnsorg-Theater. 1949 wurde Hans Mahler als Nachfolger von Rudolf Beiswanger Leiter des Ohnsorg-Theaters und hatte großen Einfluss auf die Rollen Heidi Kabels. Heidi Kabel erreichte seit 1954 durch die Fernsehübertragungen der für das Fernsehen meist missingschen Theateraufführungen aus dem Hamburger Ohnsorg-Theater große Bekanntheit im deutschsprachigen Raum.

Wie alle Ohnsorg-Schauspieler war sie auch umfangreich als Hörspielsprecherin beim NWDR Hamburg und beim späteren NDR tätig. Dazu zählte auch die Sendereihe Neues aus Waldhagen, die in Form von Kurzhörspielen zwischen 1955 und 1985 im Rahmen des Schulfunkprogramms ausgestrahlt wurde.

Am Silvesterabend 1998 nahm die mittlerweile 84-jährige Heidi Kabel mit einer Aufführung des Stückes „Mein ehrlicher Tag“ im Hamburger Kongresszentrum CCH Abschied von der Bühne. 2003 verschlechterte sich ihr gesundheitlicher Zustand. Sie zog in eine Seniorenresidenz in Hamburg-Othmarschen. Obwohl Kabel sich seit 2002 zunehmend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte, übernahm sie 2006 im Alter von 92 Jahren in Detlev Bucks Verfilmung von Hände weg von Mississippi eine kleine Rolle an der Seite ihrer Tochter Heidi Mahler.

Heidi Kabel ist auch als Sängerin bekannt geworden. Sie nahm einige Schallplatten mit meist Hamburger Liedern auf. Die bekanntesten sind Hammonia – Mein Hamburg, ich liebe dich, In Hamburg sagt man Tschüß, An de Eck steiht’n Jung mit’n Trudelband, Hamburg ist ein schönes Städtchen, Tratschen, das tu ich nich, Der Junge von St. Pauli, Kleine Möwe flieg nach Helgoland und Ich bin die Oma aus dem Internet, wobei Letzteres nur als Werbeslogan bekannt wurde. Auch in den 1990er Jahren trat sie noch gelegentlich als Sängerin und Entertainerin auf, wie zum Beispiel im Theater Madame Lothár in Bremen, wo sie zudem im Juni 2002 bei einer Galashow anlässlich des siebzigjährigen Theaterjubiläums einen ihrer letzten öffentlichen Auftritte hatte.

Heidi Kabel war ebenfalls für ihr besonderes soziales Engagement bekannt. Sie sammelte 1992 im Hamburger Hafen Geld für die Aktion Sorgenkind und wandte sich 1994 mit einer Petition an den Hamburger Senat, um auf das Schicksal einer von Abschiebung bedrohten jugoslawischen Familie von Kriegsflüchtlingen aufmerksam zu machen. Sie unterstützte unter anderem Hamburger Obdachlosenprojekte, das Kinderheim von St. Pauli und den Verein der Freunde des Tierparks Hagenbeck.[2]

Sie starb im Alter von 95 Jahren an Altersschwäche.[3] Die Trauerfeier in der St. Michaelis-Kirche in Hamburg wurde im NDR übertragen. Heidi Kabel wurde auf dem Nienstedtener Friedhof in Hamburg neben ihrem Ehemann beigesetzt. Der Grabstein trägt die plattdeutsche Inschrift „To’t Leben hört de Dood“ (deutsch „Zum Leben gehört der Tod“).

Am 4. September 2011 wurde auf dem Hachmannplatz das Heidi-Kabel-Denkmal, eine von der Künstlerin Inka Uzoma geschaffene lebensgroße Bronzefigur, mit einem Festakt eingeweiht. Gleichzeitig wurde ein Teil des Platzes vor der neuen Spielstätte des Ohnsorg-Theaters in Heidi-Kabel-Platz umbenannt, womit das Ohnsorg-Theater nun die Adresse Heidi-Kabel-Platz 1 hat. Anlässlich ihres 100. Geburtstags erinnerte der NDR mit Prominenten wie Ina Müller oder Hella von Sinnen an Kabel durch eine 45-minütige Sendung im NDR-Fernsehen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Heidi_Kabel

Liebe Grüße, Rika

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26.10.2017 14:47
avatar  Rika
#2 RE: Henry Vahl und Heidi Kabel: Ohnsorg-Theater
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Die Schwarz-Weiß-Aufzeichnungen des Ohnsorg-Theaters hab ich als Kind geliebt! Meine Eltern auch. Da durfte ich immer auf bleiben und TV gucken.

Hier sind nostalgische Erinnerungen.



Liebe Grüße, Rika

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26.10.2017 17:46
avatar  Lenchen
#3 RE: Henry Vahl und Heidi Kabel: Ohnsorg-Theater
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WOW, danke Rika! Da werden Erinnerungen wach. Die durften wir auch immer anschauen.

Liebe Grüße vom Lenchen
Wenn du etwas haben möchtest, was du noch nie gehabt hast, dann musst du etwas tun, was du noch nie getan hast. chinesische Weisheit

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26.10.2017 19:37
avatar  Susi
#4 RE: Henry Vahl und Heidi Kabel: Ohnsorg-Theater
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Habe ich auch anschauen dürfen.
Die habe ich auch verstanden.
Komödienstadel nicht so, als wir hier her zogen, aber inzwischen verstehe ich alle Sprachen.

„Lachen braucht weniger Energie als ein ernstes Gesicht.“
Anton Gunzinger

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26.10.2017 20:29
avatar  France
#5 RE: Henry Vahl und Heidi Kabel: Ohnsorg-Theater
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Da kommen auch bei mir Erinnerungen hoch!
Henry Vahl und Heidi Kabel bescherten uns wunderschöne Fernsehstunden.

Sprache ist eine grosse Quelle für Missverständnisse
Der kleine Prinz

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26.10.2017 21:09
avatar  Eri
#6 RE: Henry Vahl und Heidi Kabel: Ohnsorg-Theater
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Eri

Ach, waren das schöne Zeiten: Die ganze Familie saß vor dem Fernseher und guckte Ohnsorg -Theater. Heidi Kabel und Henry Vahl waren zu köstlich und immer waren es Paraderollen . Ich gucke mir auch die Wiederholungen gerne an

Es schadet nicht, hinter die eigenen unleidlichen Gedanken einen Punkt zu setzen.
Virginia Woolf

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26.10.2017 21:13
avatar  ( gelöscht )
#7 RE: Henry Vahl und Heidi Kabel: Ohnsorg-Theater
Gast
( gelöscht )

Die alten Stücke mit Heidi und Henry sind bei mir der Renner, die neuen Stücke mit den neuen Spielern gefallen mir gar nicht.


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27.10.2017 11:50
avatar  Mioram
#8 RE: Henry Vahl und Heidi Kabel: Ohnsorg-Theater
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Mir geht es ähnlich, lieber Pilzfreund!

<<<<<< >>>>>>

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27.10.2017 11:59
avatar  ( gelöscht )
#9 RE: Henry Vahl und Heidi Kabel: Ohnsorg-Theater
Gast
( gelöscht )

Haben wir hier in der DDR auch immer geschaut.


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23.02.2021 09:47
avatar  Rika
#10 RE: Henry Vahl und Heidi Kabel: Ohnsorg-Theater
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Komplettes Stück, auf Vollbild klicken:

Liebe Grüße, Rika

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24.02.2021 15:20
#11 RE: Henry Vahl und Heidi Kabel: Ohnsorg-Theater
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Da kann man wieder einmal in Erinnerungen schwelgen.
Das durften wir natürlich zur damaligen Zeit nie verpassen.

Spuren im Sand verwehen,
Spuren im Herzen vergehen nie.


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